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Um 1900

Jahrhunderte vergingen und der See verschlief die Zeit, ungeachtet aller Vorkommnisse die um ihn herum geschahen. Eigentum des Grafen von Königsegg Aulendorf, der ihn zum Bereichern seines Speiseplans nutzte, wie aus dem Ausschnitt dieser Ansichtskarten, aus dem Jahre 1904, deutlich anhand seiner Fischerhütte zu erkennen ist.

Auschnitt aus der Ansichtskarte 1904
Auschnitt aus der Ansichtskarte 1904

Um 1930

1924 begannen einige Aulendorfer, vorwiegend Eisenbahner, damit das Baden im Steegersee zu ermöglichen. Graf Erwin, der Besitzer, gab die Erlaubnis dazu, vorausgesetzt, die Gemeinde erließ eine verbindliche Badeordnung. Das Oberamt Waldsee gab am 7. August 1924 seine Zustimmung.

Drei Jahre später entstand die "Badegesellschaft Aulendorf-Steeger-See". Mit dieser Vereinsgründung war eine sichere Rechtsgrundlage geschaffen. Näheres ist über die Aktivitäten dieses Vereins leider nicht bekannt. Der Idealismus der Akteure jedoch immer noch bewundernswert. In der Sitzung vom 17. April 1931 wurde der Steegersee von der Gemeinde erworben. 8 ha 25a 93qm fanden  für 8000 Reichsmark einen neuen Besitzer. 1932 wurde der Schwellenweg, vom alten Bahnübergang zum See, mit 400 alten Eisenbahnschwellen angelegt. Für das Instandsetzen und erweitern gab die Gesellschaft 1932 1400 RM aus.

Damen am See 1933
Damen am See 1933
Herren am See 1933
Herren am See 1933
Bericht kurz vor der Eröffnung
Bericht kurz vor der Eröffnung

Leider waren es bereits Ende 1933 260 RM Schulden, die den Verein veranlasste sich mit einem Brief an den damaligen Bürgermeister Vochezer vom 31.1.1934 ihre Anlagen der Stadt zu übergeben. Am 11. April 1934 besichtigte der Gemeinderat das Areal ausgiebig. Es wurde beschlossen ein weiteres Floß zu bauen, das Familienfloß.  Am 23. Oktober 1935 entschied der Gemeinderat, über die Erweiterung des Bades als Familienbad mit Strand.

Als erstes musste jedoch der nötige Platz erworben werden um Strand und Liegeflächen mit Spielgeräten zu schaffen. schon damals ein schwieriges Unterfangen, da der Besitzer, die Lehr- und Versuchsanstalt, nur im Tausch Land abgab. Als Tauschobjekt erwarb die Gemeinde ein Grundstück von Bäckermeister Otto Behr an der Atzenberger Str. sowie ein Feld Richtung Otterswang.

Die erste Strandbefestigung wurde damals im Winter 1935, als der See fest zugefroren war, angelegt. Auf die Eisfläche im Uferbereich wurde Tannenreisig gelegt und darüber kam eine Schicht Kies und Sand. Als im Frühjahr das Eis schmolz, fiel das aufgebrachte Material auf dem moorigen Untergrund des Sees und die erste Strandbefestigung war entstanden.

Am 21. Juni 1936 war es soweit. Aus den bescheidenen Anfängen 1924 war 12 Jahre später das Strand-, Wald- und Luftbad Steeger See entstanden, wie es sich im wesentlichen bis 1995 erhielt. Mit der Eröffnung begannen auch die ersten Tätigkeiten der DLRG in Aulendorf, sowie die Gründung des Aulendorfer Fischerei Vereins dessen 1. Gewässer der Steegersee wurde.

Nach dem Krieg

In den 50iger Jahren zählte das Strandbad Steegersee zu den schönsten im schwäbischen Oberland. Durch die Schönheit der Anlage beeindruckt, kamen die Gäste bis aus Ulm und Sigmaringen. Besucherzahlen von bis zu 6000 Besucher, an heißen Sommertagen, waren keine Seltenheit.

Da es zu dieser Zeit "in" war, baden zu gehen, waren die Strandbäder überaus stark frequentiert, und eine willkommene Abwechslung im Alttagsleben des bevorstehenden Wirtschaftswunder. Auch an bedeckten Tagen war und ist es im Freibad schön.

Mann war stolz auf sein Strandbad. Dies spiegelt sich in den vielen verschiedenen Postkarten wieder, die es zu dieser Zeit zu kaufen gab.

Postkarte des Steeger See
Postkarte des Steeger See
Diese Postkarte stammt ca. um das Jahr 1970. Diese war bis vor einigen Jahren sogar noch erhältlich. Zwei, der sechs abgebildeten Badegäste, kommen bis heute noch regelmäßig ins Freibad.
Postkarte um 1970

Um 1994

Etwa 60 Jahre standen die Gebäude am Steegersee und hatten vielen Badebesucher Freude und nützliche Dienste geleistet. Doch waren die Bauten alle samt nur auf Streifenfundamenten errichtet worden. Da der Untergrund, wie schon zuvor erwähnt nur aus Riedwiesen bestand, hatten die Gebäude keinen Halt, und sackten in alle Richtungen ab.

Außerdem waren die Holzkonstruktionen, durch äußere Bedingungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Abhilfe tat Not. Aulendorfer Investoren machten der Stadt den Vorschlag, ein neues Gebäude zu erstellen. Da öffentliche Freibäder meistens nur durch Zuschüsse finanziert werden können, kam man sich näher.

Man einigte sich darauf, dass die Investoren bauen dürften, wenn der  Stadt Aulendorf, als Betreiber des Freibades, einen Teil des Gebäudes unentgeltlich zur Verfügung gestellt würde.

Die Gaststätte sollte ab jetzt durch die Bauherren betrieben bzw. verpachtet werden, um die entstandene Kosten des Umbaus auf diese Weise zu amortisieren.

Eine Ära des Baustils der 50iger Jahre ging zu Ende und viele der Besucher wünschten sich die Romantik und Nostalgie der vergangenen Jahrzehnte zurück.

Aussenduschen
Aussenduschen
Kasse 1994
Kasse 1994

1995

Ein bei der Landesgartenschau in Stuttgart benutzter Pavillon hatten die Investoren günstig erworben und nach Aulendorf transportieren lassen. Dieser sollte nun als neue Unterkunft für Kasse, Umkleideräume und Gaststätte dienen. Um ein Absacken wie beim alten Gebäudetrakt  zu vermeiden, wurde eine Fundamentplatte erstellt, die auf 96 Fichtenstämmen ruht Diese Stämme wurden zwischen 4m und 9m tief in das Erdreich getrieben, bis sie die Kiesschicht erreichten und somit ein Absacken der Patte verhindern sollen.

Als WC und Umkleidekabinen wurden Eisenbahncontainer aufgestellt, die umgebaut und später verkleidet wurden. "Gott sei Dank" hatte Petrus in jenem Frühling ein Einsehen, und so konnte man bei relativ guten Wetterbedingungen die Fundamentplatte erstellen. Um den Pavillon zusätzlich vor Staunässe zu schützen, wurden Betonfüße aufgestellt, die für eine bessere Unterlüftung sorgen sollten. Stück für Stück, der in Stuttgart nummerierten Balken und Dielen wurden in Kleinstarbeit wieder zusammengefügt und aufgebaut.

Um so konnte man, mit ein wenig Verspätung, am 1. Juli 1995 die damalige Badesaison eröffnen. Es fehlten zwar noch einige Details, doch war es durchaus möglich, einen einigermaßen ordentlichen Badebetrieb aufzunehmen.

Als WC und Umkleidekabinen wurden Eisenbahncontainer aufgestellt, die umgebaut und später verkleidet wurden.
Eisenbahncontainer als Umkleiden
Um den Pavillon zusätzlich vor Staunässe zu schützen, wurden Betonfüße aufgestellt, die für eine bessere Unterlüftung sorgen sollten.
Betonfüße zur besseren Unterlüftung

Um 2000

Nun sind seit dem Umbau auch schon wieder einige Jahre ins Land gezogen und die Bevölkerung hat sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnt. Das Gebäude ist nun in die Natur so  integriert, sodass es aussieht, als hätte es nie etwas anderes zuvor gegeben. Der Steegersee ist bis heute das Juwel geblieben, dass es schon vor einem halben Jahrhundert war. Natur pur zum Erleben und genießen.

Die in den 30iger Jahren gepflanzten Bäume sind nun groß und stattlich und haben die einst kahle und schattenarme Liegewiese in eine anmutige Parkanlage verwandelt, in der man sich von der Hektik des 21 Jahrhundert erholen kann. Für Jogger wie auch Wanderer und Kurgäste ein schöner Wanderweg der um den Steegersee führt. Mit seinen immer wieder kehrenden neuen Ausblicken auf den See und der Landschaft, lädt er zum Genießen ein.

1m Brett bzw. 3m Brett sorgen bei den Jugendlichen für Kurzweiligkeit. Ein Kinderspielplatz für die Kleinen, einen Bouleplatz für die Erwachsenen und dem Spaß steht nichts mehr im Wege. Ein abgegrenzter Nichtschwimmerbereich, der flach vom sandigen Ufer in den See verläuft, ist der ideale Platz für junge Wasserratten. Durch die Nähe der Liegewiese kann man sie beim Tummeln im Wasser immer im Auge behalten.

Durch die extensive Nutzung einiger ausgesuchten Stellen konnte ein neuer natürlicher Scharm des Freibades entstehen, dass Sie bei den meisten Freibädern in dieser Art und Weise nicht gewohnt sind. Erholungssuchende Großstädter genauso wie die einheimische Bevölkerung haben dieses Bad schon in ihr Herz geschlossen. Denken Sie im nächsten Sommer auch einmal an das Naturstrand Steegersee und besuchen Sie uns.